Freunde und Feinde: Timing + Heftplan
Ich habe gerade meinen Beitrag zum Interview von Montag fertig und in die Abstimmung gegeben, jetzt komme ich endlich dazu, Steffens Frage zu Recherche und Projektmanagement zu beantworten. (Ja, immerhin ein Frager ist meinem gestrigen Aufruf gefolgt) ;-)
Bei meinen Projekte ist es so, dass die technischen und produktbezogenen Themen eigentlich immer vom Kunden direkt kommen, speziell vom Außendienst. So kommt es vor, dass ein Außendienstler bei einem Besuch ein tolles Produkt oder eine bestimmte Anwendung sieht. Dann reicht er einen Themenvorschlag ein. Auf der Redaktionskonferenz werden diese gesammelten Vorschläge dann pro Heft verabschiedet. Für die softeren, menschelnden Themen (Porträts, Glossen, News) ist pr+co. zuständig. Wenn die Themen stehen und die Aufgaben verteilt sind, sprechen wir meist mit dem Themengeber, um erste Infos einzuholen. Danach wird dann ein Vororttermin vereinbart, wie ich ihn in den letzten zwei Wochen auch hatte. Das heißt, man reist zum Interviewtermin an, lässt sich die Produktion oder das Produkt zeigen, je nachdem, worum es geht. Die Fragen werden anhand der vorherigen Gespräche und natürlich der klassischen Internetrecherche formuliert. Vor Ort ergibt sich der Rest. Dabei kommt es natürlich auch vor, dass das Thema oder die Ausrichtung des Artikels, die man sich bei der Recherche vorgestellt hat, vor Ort platzt, weil die Gegebenheiten dann doch anders sind, der Gesprächspartner andere Prioritäten hat oder was auch immer. Dann heißt es, flexibel sein. Aber das ist Herausforderung und Spaßfaktor des Jobs.
Das Projektmanagement setzt im Prinzip schon mit der Redaktionskonferenz oder sogar vorher ein. Es umfasst das Timing und den Heftplan, beides erstellen wir hier und beides bildet den Rahmen des Projekts. Im Heftplan werden die Themen nach der Vorabrecherche auf die einzelnen Seiten verteilt, es kristallisiert sich heraus, welches Thema wie viel Platz erhält und welchen Formatmix es gibt. Das ist natürlich nicht in Stein gemeißelt, aber irgendwann muss man ja anfangen, an das große Ganze zu denken. Dann kommt es erst einmal darauf an, die Interviewtermine und Briefinggespräche zu organisieren, damit der Input für die Beiträge steht. Auch die Autoren (meist intern) und Fotografen (immer extern) wollen koordiniert werden. Bis die Redaktionsfrist abgelaufen ist, kümmert sich zunächst jeder um seine Artikel. Dann läuft alles wieder beim Projektmanager zusammen, das Layout und die inhaltliche Abstimmung mit dem Kunden und den Interviewpartnern beginnt. Dies ist - neben dem Schreiben - die intensivste Zeit. Das Heft entsteht. Und während dessen versucht man mit Telefonaten, E-Mails und persönlichen Gesprächen die Zügel in der Hand zu behalten und die Kutsche Richtung Erscheinungstermin zu lenken.
Welche Fähigkeiten man dafür braucht? Das klingt jetzt platt, aber letztlich sind es die in allen Stellenausschreibungen gefragten: Organisationstalent, Stressresistenz, Diplomatie und was nie schaden kann: ne gute Portion Humor!
